Zwischenfazit: Cash schlägt Idee

In meinem ersten Beitrag für diesen Blog stand die Frage, welchen Faktoren die großen Digitalchampions wie Google, Facebook und Amazon ihren wirtschaftlichen Erfolg verdanken. Was haben sie im Vergleich zu ihren Wettbewerbern anders gemacht? Zwei Jahre und 15 Fallstudien später ist es Zeit für ein erstes Zwischenfazit!

Eine schon damals geäußerte These sehe ich mehr als bestätigt: Die innovative Idee wird immer wieder überschätzt. Betrachtet man alle 15 Fallstudien, so hat sicher bei Google die Page-Rank-Idee einen großen Anteil am Erfolg gehabt, ebenso wie bei Wikipedia die Idee eine Enzyklopädie mit user-generated Content zu befüllen. Aber das dürfte es dann auch schon fast gewesen sein, mit den wirklichen First Movern unter den Internet-Giganten. (Peter Thiel stellt in einer schon etwas älteren Stanford-Vorlesung unter dem Titel „Competition is for Losers“ dem aus seiner Sicht ebenfalls überbewerteten First Mover-Effekt gar einen „Last Mover Value“ gegenüber.)

Wenn es also nicht die Idee ist, dann gewinnt natürlich der Faktor Execution beziehungsweise Management an Bedeutung. Aber das ist ein weites Feld. Welcher Aspekt ist hier besonders wichtig? Aus meiner Sicht die Fähigkeit für eine gute Finanzierung zu sorgen. Nehmen wir das Paradebeispiel Amazon: Die Company konnte vor allem deshalb wachsen, weil der Aktienmarkt immer wieder bereit war, neue Milliarden für eine weitere Expansion bereit zu stellen. Oder Flixbus: Der Reisedienst war auf Platz 2 hinter MeinFernbus, hatte aber Zugriff auf das Kapital amerikanischer Risikokapitalgeber und konnte so den stärkeren Wettbewerber übernehmen. Oder Check24: Der hohe Marketingdruck erforderte entsprechende finanzielle Mittel. Ebenso kam es beim Wettkampf der Lieferdienste immer wieder darauf an, wer wen aufkaufen konnte. Der ehemalig Delivery Hero-Manager Nikita Fahrenholz nennt im OMR-Podcast auf die Frage nach den Gründen für den großen Erfolg zwar auch die aggressive Restaurant-Akquise via Telesales, die internationalen Zukäufe und eine gehörige Portion Glück, betont aber ganz klar: „Fundraising war Key!“.

Der von ihm genannte Faktor Glück sollte jedoch ebenfalls nicht unterschätzt werden: Es gehört immer auch Glück dazu. Facebook stünde höchstwahrscheinlich nicht da, wo es heute steht, wenn es keine Managementfehler bei MySpace gegeben hätte. Stepstone verdankt sein Marktposition hierzulande nicht zuletzt den Fehlern bei Monster / Jobpilot. (Der Wirtschaftsnobelpreisträger Daniel Kahnemann betrachtet in seinem Buch „Schnelles Denken, langsames Denken“ das Glück gar als zentralen Faktor für den Erfolg von Startups, was er unter anderem mit der Unternehmensgeschichte von Google begründet.)

Und noch ein Aspekt verdient Interesse: Der Zweitplatzierte im jeweiligen Geschäftsfeld hat nicht immer in die Röhre geschaut. Eben deshalb, weil Zukäufe oft eine so zentrale Rolle spielen. MeinFernbus konnte an Flixbus verkaufen und Lieferheld an Lieferando. Der Facebook-Konzern hat Instagram übernommen und Google die zum damaligen Zeitpunkt zweitwichtigste (und auf Video-Content spezialisierte) Suchmaschine Youtube. Ein Aspekt, der sicher auch in Zukunft eine Rolle spielen wird, nicht aber in jedem Fall: Eine Übernahme der User-Datendaten von Xing könnte für ein Linkedin aktuell noch attraktiv sein, ein Aufkauf von Verivox für Check24 eher weniger Sinn machen.

Updates: 14.8.2020, 07.07.2021

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