Wie wurde Stepstone zum führenden Stellenmarkt?

Auf den ersten Blick passt Stepstone ja gar nicht in unsere Reihe: Ein europäischer Player (1996 als ICES in Oslo gegründet, später erst in Jobshop, dann in Stepstone umbenannt, 2008 von Axel Springer gekauft), der sich gegen den internationalen Champion Monster behauptet hat. Ganz im Gegensatz zu den europäischen Wettbewerbern von Facebook, ebay, Airbnb und so weiter.

Wie konnte es dazu kommen? Nun, schon in meinem Beitrag über den Wettstreit zwischen Facebook und Myspace hat es sich gezeigt: Manchmal entscheidet nicht nur die eigene Strategie, sondern es gehört auch das Glück dazu, dass der Wettbewerber Fehler macht. Das bestätigt sich dann auch, wenn man mit ehemaligen Mitarbeitern des deutschen Monster-Teams spricht: Im Wesentlichen waren es wohl die immer neuen Direktiven für die weitgehend aus den USA gesteuerten Niederlassungen, die den Erfolg in Europa verhinderten. (Wer wie ich in der Nähe von Rüsselsheim wohnt, denkt da automatisch daran, wohin das amerikanische General Motors-Management Opel gebracht hat.)

Richtig grotesk wird die Geschichte aber erst, wenn man das Kapitel Jobpilot einbezieht. Blicken wir zurück in das Jahr 2004: Der 1995 von Dr. Roland Metzger ursprünglich als Jobs & Adverts gegründete Jobpilot ist in Deutschland die Nummer 1, vor Stepstone und vor dem 1994 von Jeff Taylor in den USA gegründeten Monster. 2004 kauft Monster nun Jobpilot vom Personaldienstleister Adecco (der es zwei Jahre zuvor erworben hatte), um es in den Folgejahren komplett in Monster aufgehen zu lassen. Damit hat man Stepstone den größtmöglichen Gefallen getan: Der Marktführer wurde vom Markt genommen und konnte seine Marktanteile nach der Aufgabe der eigenen Marke nicht halten. Wie gut Stepstone das ausnutzte zeigt die aktuelle Trafficschätzung von Similarweb, wonach Stepstone hierzulande inzwischen die vierfache Reichweite der deutschen Monster-Seite hat (auf die die Domain Jobpilot.de noch immer verweist):

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Monster hat übrigens nicht nur im deutschen Markt Fehler gemacht: Das führte dazu, dass die Gruppe 2016 vom niederländischen Personaldienstleister Randstad gekauft wurde – für weniger als ein Zehntel des einstigen Börsenwertes.

Ist damit für Stepstone der Weg frei? Eher nein, denn auch bei den digitalen Stellenbörsen bleibt die Zeit nicht stehen. Derzeit verschieben sich die Gewichte zu Gunsten der Aggregatoren, also der Seiten, die nicht mehr einzelne Stellenanzeigen einsammeln, sondern wie Google mit ihren Bots das Netz nach offenen Stellen durchforsten. Und hier schlägt wieder der Standort-Faktor (siehe Facebook) zu: Der international erfolgreiche (und mit reichlich Kapital ausgestattete) Wettbewerber Indeed (2004 in den USA gegründet, 2012 von der japanischen Recruit-Gruppe übernommen) hat in kürzester Zeit (wohl auch Dank Bundesliga-Sponsoring bei Eintracht Frankfurt) seine deutschen Pendants wie Kimeta oder (das von Stepstone gekaufte) Jobanova hinter sich gelassen. Und laut den Trafficschätzungen von Similarweb wurde hierzulande auch schon Stepstone überholt – allerdings nur bei der Reichweite, die Monetarisierung der Visits dürfte Stepstone aktuell noch besser gelingen.

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Kann das Wachstum von Indeed gestoppt werden? Aggregatoren haben immer dann ein Problem, wenn ein anderer Champion einen erheblichen Teil des Marktes bereits bei sich auf der eigenen Seite abbildet. (So könnte das Wachstum von Booking die Existenz von Trivago gefährden.) Danach sieht es auf den Stellenmärkten aber derzeit eher nicht aus.

Deshalb könnte für Indeed eine andere Entwicklung gefährlicher werden. Bei der Personalsuche gibt es schon länger den Trend zum „active sourcing“: Aufgrund des Fachkräftemangels warten Unternehmen nicht mehr darauf, dass Bewerber auf ihre Anzeigen reagieren, sondern suchen selbst (aktiv) nach Kandidaten, die sie direkt ansprechen. Startups wie Talentwunder und Instaffo übertragen diesen Trend ins Netz, indem ihre Bots nicht wie Indeed offene Stellen crawlen, sondern stattdessen die Profile auf Linkedin, Xing, Github und anderen Plattformen. Welcher der beiden Ansätze am Ende zum „Winner“ wird, hängt wohl nicht zuletzt davon ab, ob sich der Stellenmarkt in den nächsten Jahren eher zu einem Anbieter- oder einem Nachfrager-Markt wird. Gut möglich auch, dass wir hier für unterschiedliche Berufsfelder eine divergierende Entwicklung sehen werden.

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