Weshalb verdrängte Google alle anderen Suchmaschinen?

Für den ersten „richtigen“ Blog-Beitrag habe ich mir Google ausgesucht. Der Suchmaschinengigant gehört nicht nur zu den vier ganz großen Internet-Companies, den GAFA (Google, Amazon, Facebook und Apple), sondern hat den anderen Giganten auch noch voraus, dass sein Firmenname zum Synonym für eine der häufigsten Beschäftigungen im Internet wurde: Wir facebooken und amazonen (noch) nicht, aber wir googeln schon seit vielen Jahren!

Aber wie konnte es Google in einem Zeitraum von nicht einmal anderthalb Jahren (von seiner Gründung im Herbst 1998 bis zum Frühjahr 2000) gelingen, von einem unter vielen Suchdiensten (unter anderem Lycos, Yahoo, Excite, Ask Jeeves und Altavista)  zum absoluten Gewinner und Marktführer aufzusteigen?

Ohne Zweifel steht fest: Google hat verdammt viel verdammt richtig gemacht. Da ist zum Beispiel die Erfindung von AdWords, die den finanziellen Aufstieg von Google erst möglich machte. Und dann kam noch AdSense für die Werbung außerhalb der Suchmaschine. Richtig genial schließlich der Kauf von YouTube. Auch wenn damals kaum einer verstand, warum die jetzt 1,3 Milliarden für ein anderthalb Jahre altes Unternehmen ausgeben, das nur Geld verbrennt. Aber Google war damals schon klar, dass YouTube mehr sein würde als nur ein Speicherplatz für selbst gedrehte Videos: Nämlich die größte Suchmaschine neben Google und damit dessen größter Wettbewerber.

Aber so genial diese Schachzüge waren: Sie haben nichts mit der Verdrängung der anderen Suchmaschinen zu tun: AdWords kam erst im Herbst 2000 und YouTube wurde 2006 gekauft.

Was aber war entscheidend für den Aufstieg? Der Autor eines deutschen Wikipedia-Artikels über Google sieht da vor allem die UX: Während Altavista & Co. beim Markteintritt von Google gerade dabei waren ihre Seiten zu Portalen mit zusätzlichem Content (und jeder Menge Werbebanner) auszubauen, setzte Google auf diese extrem schlanke Seite, die aus nicht viel mehr als einem Suchschlitz bestand. Gerade in Zeiten extrem langsamer Internetverbindung war die Zeitersparnis bei einer Google-Suche ein ernsthafter Wettbewerbsvorteil.

Noch entscheidender war aber, dass die Ergebnisse der Google-Suche schlichtweg besser waren als die der anderen Suchmaschinen. Während der Rest der Branche vor allem danach rankte, wie oft das gesuchte Keyword in Metatags und Content auftauchte (was einfach zu beeinflussen war und dadurch wenig über die Qualität der Suchergebnisse aussagte), machte Google (wie schon BackRub, das Vorgänger-Produkt seiner beiden Gründer) die Backlinks zum wichtigsten Rankingfaktor: Seiten, auf die viele Links verwiesen, bekamen die vorderen Plätze in den Trefferlisten. Und wenn die Links von Seiten kamen, die wiederum selbst viele Links auf sich zogen, dann zählten sie besonders viel. (Inspiriert wurde die Idee übrigens vom  wissenschaftlichen Arbeiten: Ausarbeitungen, die häufiger zitiert werden, sind im Zweifelsfall bedeutender als solche, die nie zitiert werden.)

Aber egal ob es nun die schlanke Startseite oder der Pagerank-Algorithmus war oder eine Mischung davon: Höchstwahrscheinlich waren diese Produktideen ausschlaggebend dafür, dass Google innerhalb kürzester Zeit die meisten Nutzer auf seine Suche zog und zum Suchmaschinen-Winner wurde.

Und das ist absolut ungewöhnlich, zeigt aber auch die Besonderheiten des Suchmaschinen-Business: Während Communities nur dann gewinnbringend sind, wenn sie neben mir auch schon von anderen genutzt werden, und es bei Handelsplattformen oft auf das Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage ankommt, kann mich eine Suchmaschine auch dann glücklich machen, wenn ich der einzige Nutzer bin: Sofern eine Produktidee dahinter steht, die ein besseres Sucherlebnis liefert als der Wettbewerb.

Wenn es aber „nur“ auf eine geniale Produktidee ankommt, um zum Marktführer unter den Suchmaschinen zu werden, dann bedeutet das auch, dass die Marktposition der Suchmaschine Google möglicherweise unsicherer ist als die eines E-Commerce-Giganten wie Amazon (dessen potentielle Wettbewerber erst einmal eine riesige Logistik-Struktur kopieren müssten). So wie Google in kurzer Zeit Altavista & Co. ersetzt hat (die zuvor mit ihren automatisierten Webcrawlern in ebenso kurzer Zeit die manuell erstellten Webkataloge von Yahoo & Co. ersetzt hatten), so könnte ein neuer Player – vielleicht mit einer künstlichen Intelligenz, die meine Suchanfrage antizipiert – in kurzer Zeit die Vormachtstellung von Google angreifen. Dabei hat sich allerdings doch etwas verändert: Google bzw. sein inzwischen entstandener Mutterkonzern Alphabet hat heute eine früher unvorstellbar große Kriegskasse und ein ebensolches Heer an Software-Entwicklern, die genau das verhindern sollen.

Zumindest bei der letzten Umwälzung der Suchmaschinentechnologie hat das funktioniert. Denn nach der Epoche der Webkataloge, nach der Keyword(spammer)-Epoche (Altavista & Co.) und nach der Reputation-Epoche (für die der Pagerank-Algorithmus von Google und die Linkfarmen stehen) befinden wir uns inzwischen in der Epoche der Nutzersignale. Nachdem Verlinkungen als Rankingkriterium (nicht zuletzt durch sogenannte Linkfarmen) in Misskredit gerieten, bilden heute die Nutzersignale (zum Beispiel: Wie schnell kommt ein Nutzer nach einem Klick wieder auf die Trefferliste von Google zurück?) die wichtigsten Rankingfaktoren. Und da hat Google selbst schnell genug reagiert und das eigene Produkt verbessert, bevor ein Wettbewerber in die Lücke stoßen konnte.

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