Sie gehören (zumindest aktuell) zu den erfolgreichsten E-Commerce-Playern aus Deutschland, auch wenn ihre wahre Größe vielen gar nicht bekannt ist: Die Zooplus SE aus München, gegründet 1999 und 2018 auf Basis einer Bewertung von rund 3,5 Mrd. Euro von den Finanzinvestoren EQT und Hellman & Friedman übernommen.
Dazu trug natürlich auch die günstige Entwicklung des Marktsegmentes „Heimtierbedarf“ bei, dessen Umsatzvolumen hierzulande inzwischen nach Branchenangaben bei deutlich über 6 Mrd. Euro liegt (laut Statista ist das eine Verdoppelung innerhalb von 15 Jahren), wovon etwa 1,2 Mrd. auf den Onlinehandel entfallen. Beim deutschen Onlinehandel hatte Zooplus 2021 mit 455 Millionen Euro den größten Anteil, noch deutlicher war die Marktführerschaft, wenn man den gesamten europäischen Onlinemarkt betrachtet, in dem das Unternehmen in jenem Jahr zum ersten Mal die 2–Milliarden-Umsatzschwelle durchbrach.
Wesentliche Faktoren für die Erfolgsstory sind der frühe Markteintritt 1999, der frühe Zugang zu Venture- und Börsenkapital (Börsengang 2008), gepaart mit europäischer Expansion und einem zahlengetriebenen Management-Team. Hinzu kam, dass sich potenzielle Wettbewerber lange Zeit zurückgehalten haben. Deutschlands Heimtierbedarfs-Marktführer Fressnapf konzentrierte sich bis vor kurzem noch stark auf das stationäre Geschäft. Erst seit 2020 läuft eine Digitaloffensive, die allerdings beachtliche Erfolge zeigt: Für den Dezember 2023 und den deutschen Markt schätzt Similarweb die Online-Reichweite von Fressnapf gar höher ein als die von Zooplus. (Und mit Zoo-Royal, hinter dem seit 2014 Rewe steht, gibt es mittlerweile übrigens einen weiteren Player mit vorzeigbaren Ambitionen).
Vor allem profitiert Zooplus nicht zuletzt davon, dass man sich im Unterschied zu anderen early movern wie Holidaycheck (von Booking angegriffen) oder Xing (durch Linkedin bedrängt) bisher nicht mit einem großen internationalen Wettbewerber herumschlagen musste. Der 2011 gegründete amerikanische Platzhirsch Chewy (2,74 Mrd. Dollar Umsatz im 3. Quartal 2023) hat zwar schon einmal mit einem internationalen Rollout geliebäugelt, war aber in den letzten Jahren (abgesehen von einer Expansion nach Kanada) eher mit den Problemen im Heimatmarkt und dem Sinkflug der eigenen Aktie beschäftigt.
In der Berichterstattung über Chewys Probleme findet man dann auch noch den Hinweis auf ein weiteres Risiko für die deutschen Angebote: Die Konkurrenz durch Amazon und Walmart scheint sich bei Chewy negativ auszuwirken. Und auch wenn Amazon nicht zwangsläufig auf dem Weg ist jede Handelskategorie auf Dauer zu dominieren (was man etwa im Textilbereich beobachten kann, wo Spezialisten wie Zalando und Aboutyou bessere Suchfunktionen bieten und ihre Stellung behaupten), so stellt sich zumindest die Frage, warum der Tierbedarf künftig nicht von jedem beliebigen Lebensmittel-Lieferservice mitgeliefert werden sollte.