Eine dritte Lösung: Das Zeitfenster

Zwei Dinge waren mir in meinen vergangenen Beiträgen wichtig: Viele Märkte tendieren in der digitalen Welt zu Quasi-Monopolen. Und: Die meisten Geschäftsmodelle sind einem permanenten Wandel unterworfen.

Das kann nun zweierlei bedeuten. In dem einen Fall ist der Quasi-Monopolist stark genug, um die Wettbewerber, die sein Geschäftsmodell verwandeln, entweder zu verdrängen oder aufzukaufen. So geschehen mit Facebook und Instagram. Hier sollte man es sich sehr gut überlegen, ob man sich in einen solchen Markt wagt, etwa indem man mit einem deutschlandweiten Marktplatz Amazon herausfordern will.

Dann gibt es aber auch noch den anderen Fall, bei dem sich das Geschäftsmodell schon wieder verändert, bevor es zu einem Quasi-Monopol (oder Duopol) gekommen ist. Ein Beispiel hierfür sind aus meiner Sicht die Webmail-Anbieter. Die deutschen Angebote Gmx und Web.de konnten sich hier dauerhaft gegen Yahoo, Microsoft und Gmail behaupten, obwohl die internationalen Player teilweise Produktvorteile (etwa mehr Speicherplatz oder weniger Werbung) boten. Das liegt natürlich auch daran, dass das Produkt über eine hohe Retention verfügt: Eine Mailadresse kann man nicht so einfach zu einem anderen Anbieter umziehen. Aber hinzukommt: Für die internationalen Player macht es immer weniger Sinn, hier in Marktanteile zu investieren, da Whatsapp das Thema (private) Mail in großen Teilen ersetzt hat.

Ein anderes Beispiel: Das regional tätige Medienunternehmen Schwäbisch Media aus Ravensburg betreibt unter dem Namen „Startbahn Süd“ erfolgreich ein Portal für Ausbildungs- und Studienplätze speziell für die Region Oberschwaben. Nun stellt sich die Frage, warum ausgerechnet das Thema Ausbildungs- und Studienplatzplatzsuche regional funktionieren sollte, wo doch sich fast alle anderen Märkte wie der allgemeine Stellenmarkt (Stepstone), der Gebrauchtwagenmarkt (Mobile), das Kleinanzeigengeschäft (ebay-Kleinanzeigen) und selbst der (überhaupt nicht mobile) Immobilienmarkt (Immoscout) auf nationalen Plattformen konzentrieren. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird sich irgendwann eine deutschlandweite Marke für die Ausbildungsplatzsuche durchsetzen (vielleicht eines der beiden von der Funke Mediengruppe übernommenen Angebote azubi.de und Azubiyo oder ein Produkt von Indeed) und dann werden die Schulabsolventen aus Oberschwaben sicher als einzige im Bundegebiet auf einer eigenen Plattform suchen. Aber bis dahin kann es noch ein ganz paar Jahre dauern, in denen „Startbahn Süd“ gutes Geld verdienen kann. (Und danach kann das Team höchstwahrscheinlich weiterhin mit den Filmen Geld verdienen, die für Ausbildungsunternehmen produziert werden.)

Generell gilt aber: Wer Geschäftsmodelle betreibt, deren Halbwertzeit sichtbar ist, der sollte immer genug neue Ideen in seiner Geschäftsmodell-Pipeline haben. Und: Das Thema Zeitfenster macht vor allem bei solchen Produkten Sinn, die nur eine kurze Anlaufzeit benötigen, um Gewinn zu erwirtschaften. Modelle, die sich erst nach mehreren Jahren amortisieren, sind hier wohl weniger geeignet.

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