Die „Schlacht um die Weltherrschaft“

Bestandsaufnahme im Frühjahr 2019: Apple hat bei der Hardware gegenüber Samsung und Huawei an Boden verloren und ob der Netflix-Klon Apple TV+ den großen Umschwung bringt, ist zumindest fraglich. Währenddessen sind die Probleme des Facebook-Konzerns offensichtlich. Etwas differenzierter ist das Bild von Google-Mutter Alphabet: Das Suchmaschinengeschäft läuft noch immer prächtig und die Kriegskasse ist gut gefüllt. Aber können Suchen auch künftig so einfach monetarisiert werden, wenn sie über Voice laufen? So gesehen scheint aktuell Amazon innerhalb des GAFA-Quartetts der Player mit den besten Zukunftsaussichten zu sein.

Aber wenn tatsächlich die Regel „the winner takes it all“ gilt und die digitalen Märkte zu Monopolen tendieren, dann stellt sich irgendwann die Frage, ob künftig Amazon oder sein chinesisches Gegenstück Alibaba den globalen E-Commerce-Markt beherrschen.

Aktuell beherrscht Amazon den E-Commerce in Nordamerika, Europa und Japan (mit insgesamt etwa 1,3 Milliarden Einwohnern), während Alibaba in China (1,4 Milliarden Einwohner, allerdings noch mit geringerer Kaufkraft) Platzhirsch ist. Die globale Betrachtung zeigt schnell: Wer nun Marktführer im übrigen Asien mit noch einmal drei Milliarden Menschen wird, der hat mittelfristig auch gute Chancen, seinen Wettbewerber im anderen Teil der Welt zu verdrängen. Mit aufgrund von Skaleneffekten dem günstigsten Angebot für Batterien, Babywindeln und vieles mehr. Die Schlacht um die Weltherrschaft im E-Commerce entscheidet sich mit hoher Wahrscheinlichkeit in Indien, Indonesien, Pakistan und Bangladesch (wenn nicht zuvor durch eine kartellrechtliche Zerschlagung von Amazon vollendete Tatsachen geschaffen werden).

Amazon und Alibaba haben das längst erkannt. Die Amerikaner konzentrieren sich seit 2013 sehr stark auf den (mit 1,3 Milliarden Einwohnern) nach China größten asiatischen Markt, auf Indien. Rund fünf Milliarden Dollar hat Jeff Bezos dort bereits investiert. Und doch musste Bezos dort eine große Niederlage einstecken, als ihm 2018 sein heimischer Wettbewerber Walmart den indischen E-Commerce-Marktführer Flipkart (durch Zahlung von 16 Milliarden Dollar für einen 77 Prozent-Anteil) vor der Nase wegschnappte. Dennoch ist Amazon am Ganges vor Alibaba klar an zweiter Stelle.

Auch Deutschlands Vertreter standen im asiatischen E-Commerce-Markt nicht schlecht da. Das unter der Ägide von Oliver Samwers Rocket Internet aufgebaute Lazada ist Marktführer in Asiens drittgrößtem Land Indonesien (270 Millionen Einwohner), daneben unter anderem in Vietnam (100 Millionen Einwohner) und auf den Philippinen (nochmal über 100 Millionen Einwohner). Aber Lazada ging 2016 beziehungsweise 2017 in zwei Schritten und für deutlich mehr als eine Milliarde Dollar an Alibaba, dessen Gründer Jack Ma inzwischen ankündigte, weitere zwei Milliarden Dollar in seine Erwerbung zu pumpen.

Und dabei beschränkt es sich längst nicht mehr auf Asien: Nach dem Ausbau des Engagements in Afrika, bauen die Chinesen nun im belgischen Lüttich ihr Logistikzentrum für Europa. Und gleichzeitig verstummen auch die Gerüchte bezüglich einer Zalando-Übernahme nicht.

 

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