Alles richtig? Die Inkitt-Story

Kennen gelernt habe ich Inkitt-Gründer Ali Albazaz 2016 am Abend der IdeaLab-Konferenz an der Bar des Partyschiffes. Mit das erste, was er mir erzählte, war, dass er den nächsten Harry Potter ausfindig machen will. Weil das alles so spannend klang, besuchte ich ihn im Jahr drauf in seinem Berliner Office. Da hatte er gerade eine 4-Millionen-Finanzierungsrunde (unter anderem mit Müller Medien) hinter sich und war auf dem Weg in die USA.

Aber was macht Inkitt genau? Die Grundidee hat damit zu tun, dass selbst so erfolgreiche Autoren wie Joan Rowling und Stephen King von einer ganzen Reihe von Lektoren abgelehnt wurden, bevor sie ihren ersten Buchvertrag bekamen. Inkitt glaubt, dass man mit den Möglichkeiten der Digitalisierung eine deutlich bessere Trefferquote haben kann als diejenige all der Verlagslektoren (die das Harry Potter-Manuskript zurückgeschickt haben). Hierzu wurde eine Plattform gebaut, auf der inzwischen zigtausende Nachwuchsautoren ihre Manuskripte eingestellt haben. Gleichzeitig sind auf der Plattform Millionen als Testleser registriert, die kostenfrei Manuskripte lesen können. Dabei wird ihr Leseverhalten getrackt, was wiederum belastbare Rückschlüsse auf den Markterfolg eines Buches zulässt.

Und warum steht die Inkitt-Story hier in einer Reihe mit Airbnb und Wikipedia, obwohl noch gar nicht feststeht, ob Inkitt je zu den ganz großen Gewinnern gehören wird? Nun, weil ich mich an kein anderes Startup erinnern kann, dessen Vorgehen so gut zu den Erkenntnissen passt, die ich in diesem Blog beschreibe. Zuallererst gilt das für den Standort-Faktor, den Sachverhalt, dass amerikanische beziehungsweise englischsprachige Digitalunternehmen den deutschen Gründungen aufgrund des größeren Heimatmarktes beziehungsweise des größeren Sprachraums fast immer überlegen sind: Ali Albazaz hat Inkitt zwar 2013 in Berlin gegründet, aber nie daran gedacht, zuerst den deutschsprachigen Markt aufzurollen. Aufgrund der digitalen Machtverhältnissen und der Bedeutung der englischen Sprache war es für ihn geradezu selbstverständlich, eine englischsprachige Plattform zu bauen (deren Benutzer deshalb auch fast alle aus den USA, aus Kanada und aus UK kommen). Weil er zufällig in Berlin saß hat die Company halt zufällig hier ihren Sitz und das ist auch kein Nachteil, weil die Entwickler in Berlin immer noch einfacher und günstiger zu finden sind als im Silicon Valley.

Aber auch in vielerlei anderer Hinsicht spiegelt Inkitt die Erkenntnisse meiner letzten Blogbeiträge: So ist das Bestseller-Scouting eine wunderbare Nische, auf die man erst einmal kommen muss. Außerdem nutzt die Company das bestehende Ökosystem von Facebook: Fast alle Autoren und Testleser wurden nicht über teure Markenkampagnen, sondern einfach über Facebook-Ads angeworben. Dann ist da noch der Workforce-Faktor (siehe Wikipedia): Mit der Crowd hat Inkitt auf diesem Weg über zwei Millionen Lektoren gefunden, die kostenfrei Manuskripte bewerten.

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