Der Durchhalte-Faktor: Die Airbnb-Story

Im Unterschied zu den meisten anderen Tech-Giganten hatte Airbnb aus meiner Sicht lange Zeit keinen direkten Wettbewerber. Dazu schien die Geschäftsidee (Luftmatratze plus Frühstück) einfach zu verrückt. So gesehen war es die auf den ersten Blick abstruse Geschäftsidee, die den Grundstein für den Erfolg legte. Liest man die Entstehungsgeschichte in dem Buch „Die airbnb Story – Wie drei Studenten die Reiseindustrie revolutionierten“ von Leigh Gallagher nach, so erkennt man schnell, dass die Idee eben kein Selbstläufer war. Mit einem anderen Team mit weniger Durchhaltevermögen wäre das höchstwahrscheinlich anders ausgegangen. Das Team Brian Chesky, Joe Gebbia und Nathan Blecharczyk hat einfach (zumindest wenn man die heutige Darstellung in dem Buch zu Grunde legt) jede Menge Rückschläge gut verkraftet und ist oft genug aufgestanden, um der Idee am Ende zum Erfolg zu verhelfen. (Wichtig dabei: Es ging natürlich nicht nur um eine „verrückte Idee“ plus Durchhaltevermögen, sondern auch um eine letztlich funktionierende Lösungen für einen realen „Need“: Gerade in den Städten, in denen Airbnb begann, gab es nicht gerade ein Überangebot an günstigen Übernachtungsmöglichkeiten.)

Auf der anderen Seite war da natürlich noch Couchsurfing.com: Lange vor Airbnb gestartet (bereits 2003 gegründet, während Airbnb erst 2008 auf den Markt kam) und mit einer sehr ähnlichen Geschäftsidee (zumal die Luftmatratze bei Airbnb selbst in der Anfangszeit in den meisten Fällen ebenfalls eher eine Couch gewesen dürfte). Auf den zweiten Blick sieht man aber sehr schnell, dass die beiden Geschäftsmodelle völlig unterschiedlich und nicht wirklich direkte Wettbewerber sind: Auch wenn Couchsurfing seit 2011 offiziell kommerziell agiert, so steht das Unternehmen noch immer für den idealistischeren Ansatz: Man lässt andere kostenfrei in seiner Wohnung übernachten, lernt sich kennen, frönt der Völkerverständigung und erwartet gleichzeitig, dass der Gast seine eigene Wohnung ebenso für andere Gäste zur Verfügung stellt. Ein Angebot, das auf Gegenseitigkeit beruht. Geld verdient wird lediglich mit der Verifizierung von Profilen. Ganz anders Airbnb: Bereits bei den ersten Luftmatratzen und Sofas, die die Gründer noch in der eigenen Wohnung in San Francisco vermieteten, ging es um das Geldverdienen (um die eigene Miete bezahlen zu können – so zumindest die offizielle Story). Und deshalb war airbnb so viel erfolgreicher als das zuvor gefeierte Couchsurfing: Es gibt einfach viel mehr Menschen, die eine Unterkunft zu einem günstigen Preis suchen, als solche, die aufgrund von Gegenseitigkeit (also kostenlos übernachten und andere ebenfalls kostenfrei bei sich übernachten lassen) reisen wollen.

Aber es blieb natürlich nicht beim (eher peripheren) Wettbewerb mit Couchsurfing: Sobald sich der Erfolg von Airbnb abzeichnete, traten andere Wettbewerber auf den Plan. In Deutschland etwa  2011 (das von Rocket Internet finanzierte) Wimdu und 9flats (ebenfalls 2011 von Qype-Gründer Stephan Uhrenbacher ins Leben gerufen). Im Unterschied zu ebay (die den Klon Alando kauften) und Groupon (die den Klon CityDeal übernahmen) ließen sich die Airbnb-Gründer aber nicht auf das Angebot der Samwer-Brüder (Rocket Internet) ein, sondern vertrauten auf ihre internationale Marke, mit der Wimdu im Wettbewerb besiegt wurde. (Wimdu gehört heute zum Investor Platinum Equity und präsentiert sich vor allem als Metasuche für Unterkünfte, bei der man Angebote von Expedia und Fewo-Direkt findet.)

Und wohin entwickelt sich der Sharing-Economy-Pionier Airbnb? Um zu den großen GAFA-Companies aufzuschließen, muss das Unternehmen wie von diesen vorexerziert in benachbarte Geschäftsbereiche vorstoßen und neue Geschäftsfelder erschließen. Naheliegend wären Hotelunterkünfte, aber das Thema ist weitgehend von Booking besetzt und außerdem sehen sich Teile der Branche als Gegenspieler, viel Erde wurde verbrannt. Also geht Airbnb (abgesehen von der Übernahme der Lastminute-Plattform Hoteltonight) in eine andere Richtung und will in Zukunft Häuser bauen – deren Zimmer irgendwann über den eigenen Service vermietet werden könnten. Das Thema zu beobachten, dürfte spannend werden!

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