Zwischenfrage: Was ist mit den Faktoren Team und Plattform?

Für den Erfolg von Digital-Companies werden oft auch zwei Faktoren genannt, die in meinen Beiträgen bisher nicht auftauchten: Das Gründerteam und der Aufbau einer Plattformökonomie. Was ist an diesen Faktoren dran?

Beginnen wir mit dem Team: Wer sich zum Beispiel mit Startup-Investments beschäftigt, lernt sehr schnell, dass das Gründerteam im Zweifelsfall das wichtigste Kriterium für eine Investitionsentscheidung sein sollte. Die Menschen machen den Unterschied. Getreu dem Motto: Ein schlechtes Team setzt auch die beste aller Geschäftsideen in den Sand. Während ein Top-Team eine schlechte Geschäftsidee früher oder später durch eine gute ersetzt.

Sind also die Menschen wichtiger als all die in meinem Blog bisher betrachteten Faktoren? Für mich ist das Team eher eine „conditio sine qua non“, eine zwingende Voraussetzung. Ohne ein Top-Team entsteht natürlich kein Internet-Champion. Auch StudiVZ hatte ein tolles Team, sonst wären sie nicht Marktführer in Deutschland geworden. Trotzdem wurden sie von Facebook verdrängt, weil Facebook nicht nur gute Leute, sondern auch den Vorteil des englischsprachigen Marktes hatte. Meine These: Von einer Handvoll Wettbewerbern, die oft alle mit Top-Teams an die Spitze kommen, gewinnt am Ende derjenige die Weltmarktführerschaft, der noch an ein oder zwei anderen Stellen punkten kann – so wie Google mit der Erfindung des Pagerank-Algorithmus.

Auf der anderen Seite: Hätte Amazon ohne die Visionen Jeff Bezos je so viel Geld aufbringen können? was wäre Apple ohne Steve Jobs? Und war es nicht eben das Team Sergey Brin und Larry Page, das den Pagerank-Algorithmus erfand? Vielleicht sind es ja auch einfach zwei Seiten einer Medaille?

Klarer stellt sich für mich das Thema Plattformökonomien dar. Gemeint sind Digitalunternehmen, die nicht nur ein Produkt oder eine Dienstleistung anbieten, sondern einen Marktplatz betreiben, der eine Plattform für die Transaktionen von einer oder mehreren Branchen darstellt. So wie Amazon längst mit dem Marketplace eine Plattform nicht nur für den eigenen Verkauf, sondern für alle Online-Händler gebaut hat. Oder so wie Apple in seinem Store nicht nur eigene, sondern alle möglichen Apps anbietet. Im Blog von Holger Schmidt wird die Plattformökonomie (zu der unter anderem auch Facebook, Google, Booking, Uber, Netflix, Alibaba und Tencent gehören) nicht nur sehr anschaulich beschrieben, sondern auch die These vertreten, dass Plattformunternehmen am Ende erfolgreicher sein werden als alle anderen. Uber kann besonders schnell wachsen, weil sie keine eigenen Fahrzeuge haben – so wie Flixbus keine eigenen Busse und Booking beziehungsweise Airbnb keine eigenen Hotels beziehungsweise Apartments hat. Ist das also der entscheidende Faktor, der entscheidet, welcher Winner am Ende alles nimmt?

Auch dazu eine These: Die großen digitalen Champions sind wie Amazon oder Google erst einmal zu Marktführern geworden, bevor sie anfingen sich zu Plattformen zu entwickeln. Dafür waren eine besonders expansive Geldpolitik und gute Ideen und eine tolle User Experience die entscheidenden Faktoren. Sie nutzten diese Marktführerschaft, um sich im nächsten Schritt zu den großen Plattformen weiterzuentwickeln, die wir heute kennen. Der Bau der Plattformen hat sie nicht unbedingt zu Weltmarktführern gemacht, er hilft aber immens, die erkämpfte Position zu halten, um weniger schnell vom Thron gestoßen zu werden. (Und natürlich gibt es auch erfolgreiche Unternehmen wie Airbnb und Uber, die von Beginn an Plattformbetreiber waren und deren Geschäft sonst auch kaum funktionieren würde.) Auf der anderen Seite: Während Amazons Marketplace das Paradebeispiel für eine Plattform ist, investiert der Konzern in der letzten Zeit vor allem wieder in Nicht-Plattform-Geschäfte: Logistik (eigene Fahrzeuge, Flugzeuge und Fulfillment-Center), Cloud-Hosting (eigene Rechenzentren) und Prime Video (eigene Produktionen).

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