Eine zweite Lösung: Partnerschaften

Als die Pferde von den Autos abgelöst wurden, wurde nicht aus jedem Pferdezüchter ein Autohersteller. Wie später die Digitalisierung so hat auch schon die Industrialisierung dazu geführt, dass in vielen Bereichen viele kleine Betriebe durch einige wenige große ersetzt wurden. Aber auch wenn es nur einige wenige Autokonzerne gibt, so gibt es doch auch wesentlich mehr Unternehmen, die als erfolgreiche Zulieferer von der Branche leben (oder mit Werkstätten oder Speditionen Teil des Ökosystems Automobilwirtschaft sind).

Vor diesem Hintergrund sollte es für den ein oder anderen auch eine interessante Option sein, innerhalb des Ökosystems von Google, Amazon & Co. ein neues Geschäftsmodell aufzubauen, statt sich mit den großen Playern zu messen (oder das eigene schrumpfende Geschäft zu verwalten). Das kann dann ein Amazon-Shop (statt eines eigenen Marktplatzes) sein. Ein Content-Anbieter, der vor allem auf Suchmaschinenoptimierung setzt. Oder eine Beratung für Social Media-Marketing. Oder ein ehemaliger TV-Sender, der Produktionsgesellschaft für Streaming-Plattformen ist. Ein besonders schönes Beispiel aus dem Ökosystem von Amazon ist Momox: Das Unternehmen (an dem seit einiger Zeit auch Burda beteiligt ist) hat sich darauf spezialisiert, gebrauchte Filme, Spiele und Bücher aufzukaufen, die dann (unter anderem unter der Marke Medimops) auf ebay und vor allem Amazon weiterverkauft werden. Aus dem 2006 von Christian Wegener mit 1500 Euro-Startkapital in der eigenen Wohnung als Ich-AG gegründeten Startup ist inzwischen Europas führender Re-Commerce-Player mit mehr als 150 Millionen Jahresumsatz und mehr als 1.000 Mitarbeitern geworden. (Ein ebenfalls interessantes Beispiel aus dem Ökosystem der Social Media-Plattformen ist die in Mannheim von Andreas Leonhard und Ralph Scheurer-Lee gegründete Social Media Akademie mit ihren Online-Kursen, die mittlerweile zur Weka-Gruppe gehört. Oder die Dienstleister Spectrm und Messenger People, die statt einen eigenen Messenger zu bauen lieber Inhalteanbietern helfen, ihren Content über bestehende Messenging-Plattformen zu distribuieren.)

Allerdings ist eine Partnerschaft (auch wenn Partnerschaften in der digitalen Ökonomie grundsätzlich an Bedeutung gewonnen haben) mit einem der großen Player auch nie ohne Risiko, da diese sich schon mehrfach entschieden haben, das eine oder andere Thema doch lieber selbst zu besetzen. Beispiele sind die Eigenmarken von Amazon, die so manchem Hersteller, der seine Produkte derselben Kategorie zuvor erfolgreich über Amazon verkaufte, die Suppe versalzen haben. Oder die Tatsache, dass Google bei immer mehr Suchanfragen eigenen Content nach oben stellt (unter anderem bei Wettervorsagen, Sportergebnissen und Kinoprogramm). Damit wird mitunter das Geschäftsmodell von Anbietern zerstört, die in der Vergangenheit darauf setzten, dass ihr Content bei diesen Trefferlisten ganz oben stand – und dafür oft auch viel Geld für Google-Anzeigen ausgaben.

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