Alles richtig? Die Getyourguide-Story

Meine erste Getyourguide-Buchung im Jahr 2014 ist mir noch immer in allerbester Erinnerung, weil es ein herausragendes Serviceerlebnis war. Ich wollte meinen Söhnen an einem verlängerten Wochenende Paris zeigen und hatte für den Abend nach unserer Ankunft bei Getyourguide eine Führung auf den Eiffelturm gebucht. Also: In der Nähe des Eiffelturms mit dem Guide getroffen, ohne Stopp an der irrsinnig langen Warteschlange vorbei direkt zum Aufzug und pünktlich zum Sonnenuntergang oben auf der Plattform gestanden und den Ausblick über Trocadero Richtung La Defense genossen. Wow!

Zu dem Zeitpunkt war Getyourguide noch kaum bekannt, aber immerhin schon sechs Jahre alt. Gegründet wurde das heute in Berlin ansässige Unicorn 2018 in der Schweiz als Spin-Off der ETH Zürich von den Studenten beziehungsweise Ex-Studenten Johannes Reck, Tao Tao, Martin Sieber, Tobias Rein, Jochen Mattes und Pascal Mathis.

Dabei sah die ursprüngliche Idee noch etwas anders aus als das heutige Getyourguide: Einheimische, zum Beispiel Studenten, sollten Touristen durch ihre Heimatstadt führen, damit diese besonders authentisches Reiseerlebnis genießen. (Übrigens schreiben die Gründer auf Ihrer Website, dass Ihnen diese Idee während einer Chinareise 2009 gekommen sei, während die Firmengründung aber allgemein auf das Jahr 2008 datiert wird. In einem älteren Beitrag erzählt Johannes Reck allerdings von einer ausschlaggebenden Chinareise im Jahr 2007.)

Leider funktionierte die Idee zu Beginn nicht wirklich gut. Erst als man sich nicht mehr auf die Zusammenarbeit mit Studenten konzentrierte, sondern mit professionellen Anbietern kooperierte, ging es bergauf.

Befeuert durch diesen Erfolg konnte man sich dann auch gegen die Wettbewerber aus dem eigenen Land durchsetzen. 2013 wurde das ebenfalls in Berlin ansässige Gidsy übernommen, das vor allem durch geschickte Vermarktung (unter anderem eines Investments von Ashton Kushner) aufgefallen war, und 2015 wandelte sich Regiondo aus München (das vor allem auf den Verkauf von Eintrittskarten gesetzt hatte) zum Technik-Anbieter im B2B-Bereich.

Damit ist der Weg für Getyourguide aber noch lange nicht frei. Denn längst spielt die Musik für Getyourguide auf der internationalen Bühne. Die wichtigsten Wettbewerber dürften momentan Viator (seit 2014 eine Tochter von Tripadvisor) aus San Francisco und Klook aus Hongkong sein. Peek.com (2012 von Oskar Bruening und Ruzwana Bashir ebenfalls in San Francisco gegründet) wirkt gerade etwas abgeschlagen, aber Airbnb und Expedia sind mit ihren entsprechenden Angeboten (Airbnb Experiences beziehungsweise Expedia Local Experts) nicht zu verachten.

Angesichts der in diesem Blog schon mehrfach geteilten Erkenntnis, dass im Endkampf um „The winner takes it all“-Märkte oft die Größe der Kriegskasse entscheidet, scheint Getyourguide momentan aber alles richtig zu machen: Nach einer respektablen Finanzierungsrunde über 433 Millionen Euro (unter anderem mit Softbank – die allerdings auch bei Viator investiert sind – und Lakestar) im Jahr 2019, wurde 2020 eine Wandelanleihe über 114 Millionen Euro auf den Markt gebracht, gefolgt von einer Kreditlinie über weitere 80 Millionen Anfang 2021. Erklärtes Ziel dieser Kapitalaufnahmen: Wachsen durch Akquisitionen!

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