Der Shift von regionalen zu nationalen Medien

Jede Menge wurde bereits über die Verlagerung der Mediennutzung von Print zu Digital geschrieben. Kaum thematisiert ist dagegen die Verlagerung bei Nutzung und Zahlungsbereitschaft von regionalen hin zu überregionalen Medienangeboten, insbesondere bei der jüngeren Zielgruppe.

Allerdings ist dieses Thema noch wenig dokumentiert, es gibt aber auch außerhalb von Einzelgesprächen durchaus Hinweise, welche die These bestätigen.

Als ein Indiz kann (unter der Prämisse, dass jüngere Zielgruppen eher digitale Produkte nutzen) etwa der laut einer Erhebung des Bundesverbandes der Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) inzwischen wesentlich höhere Digitalanteil bei den Umsätzen überregionaler Zeitungen (nämlich 52,7 Prozent) im Vergleich zu regionalen Abozeitungen (12 bis 21 Prozent) gesehen werden.

Noch deutlicher ist eine bereits 2017 ebenfalls vom BDZV veröffentlichte Studie zum Mediennutzungsverhalten von Millenials. In insgesamt vier Einzelinterviews und vier Gruppendiskussionen werden insgesamt 22 Jugendliche zu ihrer regelmäßigen Mediennutzung befragt. Das Fazit ist erst einmal positiv: „Bemerkenswert ist, dass sich offenbar viele Jugendliche und junge Erwachsene mehr seriöse Informationen und verlässliche Nachrichten in Form von qualitäts-journalistischen Angeboten statt Entertainment wünschen (…)“ Vielsagend sind aber die Details: 38-mal werden in den Gesprächen genutzte Medienmarken benannt. 33-mal sind es nationale Marken (darunter je viermal Süddeutsche und Spiegel sowie dreimal die Zeit) und nur fünfmal regionale Medien (in einem Fall, weil die Mutter bei einer regionalen Zeitung arbeite, in einem anderen beschränkt sich die Nutzung des genannten Mediums auf Besuche im Elternhaus). Die Untersuchung ist natürlich nicht repräsentativ, das Verhältnis aber bemerkenswert.

Etwas allgemeiner, dafür umso repräsentativer sind die Findings im „Reuters Institute Digital News Report 2025„: Während 61 Prozent der über 55-Jährigen in Deutschland innerhalb einer Woche lokale Nachrichten nutzen, sind es bei den 10- bis 24-Jährigen nur noch 34 Prozent. Zwar ist auch das allgemeine Nachrichteninteresse bei den Älteren höher, der Abstand zwischen den Altersgruppen fällt jedoch signifikant geringer aus.

Über die Gründe des Shifts zum Überregionalen kann vielfältig spekuliert werden: Mögliche Erklärungen sind eine geringere Verwurzelung am Wohnort (die sich etwa durch eine – unter anderem laut EY-Jobstudie – gestiegene berufsbedingte Umzugsbereitschaft zeigt), höhere Akademikerquoten oder allgemeine weltpolitische Entwicklungen.

Mit Blick auf die Zukunft verheißt diese Tendenz für regionale Medienhäuser nichts Gutes. Es ist ein weiterer Grund, neben dem Kerngeschäft in neue Geschäftsfelder zu investieren. Dafür gibt es bereits zahlreiche Beispiele: Investments in Digitalcompanys (wie das von Dumont zusammengestellte Cluster im Bereich Marketing Technology oder die Zukäufe von Funke), neue Events (etwa das Rocketeer-Festival in Augsburg) und Dienstleistungen.

Dabei steht der Dienstleistungsbereich in Form von Agenturbeteiligungen beziehungsweise Agenturkäufen aktuell besonders im Fokus. Als ein Best-Practice kann hier die vom Verlag der Neuen Osnabrücker Zeitung aufgebaute Grow Digital Group gesehen werden, die bereits aus 13 Agenturen mit insgesamt über 600 Mitarbeitern besteht.

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