Man findet nur sehr wenige Unternehmen, die das „Amazon-Playbook“ so konsequent übernommen haben wie Uber: Immer neue Investorengelder gekoppelt mit einem extremen Expansionskurs – bis alle Wettbewerber abgehängt sind (und der eigene Firmenname quasi zum Synonym für Ride-Sharing geworden ist).
In den zehn Jahren bis zu seinem Börsengang hat das 2009 von Travis Kalaniak und Garett Camp gegründete Unternehmen in sage und schreibe 23 Finanzierungsrunden insgesamt 24,7 Milliarden US-Dollar eingesammelt.
Zu den illustren Geldgebern gehörten Google Ventures, Fidelity, Benchmark, Kleiner Perkins, Goldman Sachs, Blackrock, Toyota und der staatliche Investmentfonds der Saudis, dessen 3,5 Milliarden US-Dollar im Jahr 2016 das zu diesem Zeitpunkt bisher höchste Einzelinvestment in ein Startup waren. Dieses Investment wurde dann nur anderthalb Jahre später von dem japanischen Softbank-Konzern übertroffen, der 7,7 Milliarden US-Dollar in Uber pumpte.
Angesichts dessen überrascht es fast, dass der schärfste Wettbewerber Lyft (der aktuell gerade dabei ist, die deutsche Taxi-Vermittlung Freenow, ehemals MyTaxi zu übernehmen) in den USA immerhin auf einen Marktanteil von 20 bis 25 Prozent kommt.
Das relativiert sich aber, wenn man die internationale Perspektive betrachtet: Im Unterschied zu Lyft hat Uber den größten Teil seiner Gelder in die internationale Expansion gesteckt, weshalb man in einer Vielzahl von Ländern deutlich besser dasteht als die Konkurrenz. Dem entspricht dann auch der im Mai 2025 etwa 25-fache Börsenwert von Uber im Vergleich zu Lyft (rund 180 Milliarden US-Dollar zu etwa 7 Milliarden US-Dollar).
bei diesen Dimensionen ist der Hauptgegner von Uber (zumindest außerhalb Chinas) nicht ein anderer Ride-Sharing-Anbieter, sondern das Taxi-Gewerbe. In Deutschland lässt sich das nur schwer beobachten, da Uber aufgrund der Regulierungen (u.a. Personenbeförderungsschein) deutlich eingeschränkter agiert als an der Mehrzahl seiner Standorte. Aber nehmen wir zum Beispiel Argentinien: Auch wenn dort das Preisniveau seit dem Amtsantritt von Milei noch einmal angestiegen ist, sind Taxifahrten vergleichsweise günstig. Und ein Uber ist noch einmal deutlich günstiger. Obwohl Uber dort nach meinen Erfahrungen wesentlich modernere, sauberere und komfortablere Fahrzeuge mit umsichtigeren Fahrern bietet, also einen deutlichen Wettbewerbsvorteil bietet. Man kann natürlich berechtigt argumentieren, dass das mitunter extreme Preisdumping auf Kosten der Fahrer nicht unterstützt werden sollte. Aber wer in Buenos Aires einen Uber zu bestellen und die Differenz zum Taxipreis via Trinkgeld auszugleichen, ist vielleicht nicht die schlechteste Option.
Für die Zukunft sehen die Kommentatoren allerdings noch einen ganz anderen Wettbewerber auf Uber zukommen, nämlich die selbstfahrenden Autos, allen voran die von Waymo aus dem Alphabet-Imperium.
In den USA hat Uber inzwischen eine Kooperation abgeschlossen und vermittelt (an den ersten Standorten) auch die fahrerlosen Vehikel von Waymo. Die Frage ist nur, ob Waymo diese Partnerschaft noch beibehält, falls irgendwann mehrheitlich Waymo-Fahrzeuge genutzt werden. Und wenn Waymo die Personenbeförderung abdecken sollte, dann werden auch von Uber aufgebaute Zusatzgeschäfte wie Essenslieferungen (Uber eats) von Waymo abgedeckt werden. Auf der anderen Seite: Wird in dieser Zukunft die Mehrzahl der selbstfahrenden Fahrzeuge von Anbietern wie Waymo oder Tesla zur Verfügung gestellt? Oder werden viele von uns ihre eigenen selbstfahrenden Fahrzeuge besitzen? Die wir dann, wenn wir sie nicht benötigen, einem Anbieter wie Uber zur Verfügung stellen?